Mundart-Sagen-Wanderungen im Oktober 2003
Vorgetragene Sagen (7) - Hochdeutsche Version
Der Bauer und der Schatz
Vor vielen, vielen Jahren suchte ein reicher Bauer, dessen Sinn nur nach Geld und Gut stand, den Schatz zu haben. In dunkler Nacht grub er ganz allein auf der Höhe des Berges und stieß nach harter Arbeit auf eine eiserne Kiste. Er legte sie völlig bloß; da sprang auch schon der Deckel auf und blankes, glitzerndes Gold lachte ihm entgegen. In seiner Freude stieß der Bauer einen lauten Jubelschrei aus. Damit aber versank unter fürchterlichem Getöse der Schatz und von unsichtbarer Hand bekam der Schatzgräber eine so gewaltige Ohrfeige, daß er betäubt zu Boden stürzte.
In der Kühle des Morgens kam er wieder zu Bewußtsein. Als er über das Geschehen nachdachte, gewahrte er, daß jede Spur seiner nächtlichen Arbeit verschwunden war. An der Stelle der von ihm ausgeworfenen Grube sah sein Auge gewöhnlichen Waldesboden, mit Laub und Moos bedeckt. Seine Werkzeuge, an denen kein Stückchen Erde haftete, lehnten in der Nähe an einem Baume.
Als er noch sann und sann, hörte er über sich lauten Flügelschlag und von einem Baume herab erklang ein so teuflisches Hohnlachen, daß es ihm durch Mark und Bein ging. Schreckerfüllt eilte er in wilder Flucht den Berg hinab; seine Werkzeuge flogen ihm nach und fanden sich einige Tage später am Fuße des Berges. Der Bauer selbst aber verfiel in ein hitziges Fieber und schwebte wochenlang zwischen Tod und Leben. Wieder genesen, war er ein ganz anderer als früher und ließ sich genügen an dem, was er hatte.
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© Paul Glass 1997 - 2003ff
Last update: 04.11.2003