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Mundart-Sagen-Wanderungen im Oktober 2003


Vorgetragene Sagen (2) - Hochdeutsche Version


Der verrückte Grenzstein

Die Ausdehnung der Äcker kennzeichnet man seit altersher durch Grenzsteine. Sie dürfen nie versetzt werden[1]. Ein habsüchtiger Bauer tat es auf dem Ensheimer Bann aber doch. Das mußte er schwer büßen. Denn es dauerte nicht lange, so starb der Übeltäter, und von nun an mußte er allnächtlich als Gespenst mit einem Grenzstein auf dem Kopfe umgehen. Ohne Ruhe schleppte er ihn auf dem Dorfgelände umher. Immer seufzte und stöhnte er, und von Zeit zu Zeit rief er laut: 'Wo soll ich ihn hinlegen?' Schauerlich drang dann dieser Ruf durch die stille Nacht.

In einer Märznacht sah ihn der Nachtwächter des Dorfes. Der war ein mutiger Mann, näherte sich ganz allmählich dem Gespenst und rief ihm schließlich zu: 'Setze den Stein wieder schnell dorthin, wo du ihn weggenommen hast!' Gleich darauf hörte der Nachtwächter einen lauten Plumps. Von da ab herrschte wieder Ruhe auf Ensheims Fluren.
 

[1] Auch in der Geschichte des Ensheimer Banns gibt es mehrere Konflikte mit den Nachbargemeinden um die richtige Absteinung der gemeinsamen Grenze, so zum Beispiel mit Scheidt um 1567, mit Bischmisheim 1755, mit St. Ingbert 1721 und mit Eschringen 1765.


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Last update: 04.11.2003