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Mundart-Sagen-Wanderungen im Oktober 2003


Vorgetragene Sagen (8) - Hochdeutsche Version


Das Schlossfräulein vom Großen Stiefel

Im Schloßgarten der ehemaligen Burg auf dem großen Stiefel (bei Ensheim) zeigt sich bisweilen das „Schloßfräulein“, die fromme Tochter des guten Ritters Heim, des Gründers der Burg und des Wohlthäters der ganzen Um-gegend, der wie König Dagobert unter ähnlichen Verhältnissen von seinen Bauern einmal gerettet worden. Wenn phantastisch geformte Nebel über den Berg hinziehen, heißt es: das Schloßfräulein suche ihre Rosen. Von ihrem glückbringenden Walten folgende Sage.

In den Weiler Sengscheidt (Ensheimer Gemarkung)[1] kam vor Zeiten ein vornehmer Fremder, sein zweijähriges Töchterlein in den Mantel gehüllt, und fand freundliche Herberge bei den redlichen Leuten, wo er auch sein Leben verbrachte. Der Hirte des Dorfes war dem Kinde besonders zugethan. Am Tage vor Weihnachten sah er im Schloßgarten oben einen wundervoll blühenden Rosenstrauch, er brach einige Rosen, schenkte sie dem Kinde, das wand sich ein Kränzlein daraus, und bewahrte dieses als ein Glückzeichen von der Schloßjungfrau in ihrem Kasten. Das Kind erwuchs zur holdseligsten Jungfrau und ward die ersehnte Braut des Grafen von Saarbrücken. Am Hochzeitstage holte sie ihre Rosen hervor, und sieh – es war ein Kranz von lauter Gold und Edelgestein.

 

[1] Sengscheid wurde erst 1936 nach St. Ingbert eingemeindet.


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Last update: 04.11.2003