|
Ensemma Schbrìch Vorwort |
|---|
![]()
Das vorliegende Buch versteht sich nicht als wissenschaftliche Abhandlung, sondern als hoffentlich unterhaltsame Bestandsaufnahme der Redensarten, Sprüche und speziellen Ausdrücke, die in der Ensheimer Mundart geläufig waren und es überwiegend noch sind.
Unsere Mundart ist wie alle anderen deutschen Mundarten allmählich vom Verschwinden bedroht - zu groß sind die Einflüsse der Medien, der städtischen Bildung, der schriftdeutsch geprägten Erziehung. Die Zeit läuft uns davon, aber wir scheinen dies nicht wahrzunehmen oder wahrnehmen zu wollen. Zu lange hatte die Mundart und ihr Gebrauch ein regelrechtes Negativimage in Teilen der Bevölkerung, vor allem bei jenen, die eine berufliche Karriere oder einen gesellschaftlichen Aufstieg machen wollten oder dies für ihre Kinder wünschten. Bevor uns in den Achtziger und Neunziger Jahren eine richtige Mundartwelle überrollte, habe ich als einer der ersten im Saarland eine Art Bestandsaufnahme des Ensemma Pladd gemacht - eine Arbeit, die bei vielen Ensheimern das Interesse an ihrer ureigenen und damals noch gar nicht so sehr verfälschten Muttersprache weckte. Das war in der ersten Hälfte der Siebziger Jahre, und seitdem hat sich doch viel getan - allerdings Negatives und Positives! Einerseits hat die Bedrohung unserer Mundarten gefährliche Ausmaße angenommen, andererseits wurden von vielen Mundarten inzwischen Bestandsaufnahmen gemacht; viele Mundarten wurden in der Zwischenzeit sogar einer fundierten sprachwissenschaftlichen Untersuchung unterzogen, wie etwa die Mundarten von Bliesmengen-Bolchen, Lebach, Hüttersdorf oder Großrosseln.
Wie meine drei anderen Bücher über das Ensemma Pladd verkörpert auch dieses Werk, das zugleich als Band 4 des Gesamtwerkes "Ensheimer Wörterbuch" anzusehen ist, ein authentisches Stück Mundartkunde, einer Mundart, die trotz aller Gefährdungen im Verlauf der letzten dreißig Jahre eine noch immer lebendige Sprache für die meisten Ensheimer, vor allem die älteren MitbürgerInnen, geblieben ist.
Die meisten der erfassten Sprüche und Redensarten habe ich in den letzten 25 Jahren selbst gesammelt. Wann immer ich einen Spruch hörte oder mir mal selbst wieder einer einfiel, wurde er sofort notiert für die schon damals projektierte spätere Verwertung für ein weiteres Mundartbuch. Was darüber hinaus noch fehlte, habe ich anderen Büchern über Redensarten entnommen, die mittlerweile recht zahlreich auf dem Markt sind.
Ursprünglich war nicht daran gedacht, auch Redewendungen zu übernehmen, die genauso im Schriftdeutschen existieren. In der Zwischenzeit habe ich mich allerdings auch für die Berücksichtigung jener schriftdeutschen Sprüche und Redensarten entschieden, die durch die mundartliche Aussprache wieder eine Art Ensheimer Originalität bekommen haben.
So finden sich also in dem vorliegenden Buch drei Kategorien von Redensarten und Sprüchen:
Um die Leser, insbesondere auch die Nicht-Ensheimer, an das Thema Ensemma Pladd und Ensheimer Redensarten heranzuführen, gibt es zunächst einen ersten systematischen Teil über die Entstehung unserer Mundart, mit Hinweisen zur Aussprache und Verschriftung.
Im zweiten systematischen Teil werden dann die Redensarten, Sprüche und "Spezialausdrücke" präsentiert, meist erläutert und mit Beispielen versehen. Ich habe mich dafür entschieden, sie in fünfzig verschiedenen Kapiteln vorzustellen, die jeweils bestimmte Alltagsbereiche repräsentieren, oft regelrechte Gegensatzpaare wie etwa das Thema Liebe und Hass. Da sich dieses Buch überwiegend an eine Leserschaft ohne sprachwissenschaftliche Vorbildung wendet, habe ich die sprachwissenschaftlichen Erläuterungen auf ein Mindestmaß beschränkt - wobei mir natürlich klar ist, dass sich über manche Herleitungen oder Interpretationen trefflich streiten lässt.
Weiterführende Anmerkungen werden in Form von Links präsentiert.
Im Anhang findet der interessierte Leser ein Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis, ein alphabetisches Gesamtverzeichnis A - Z, einen Überblick über die Realisierung und Schreibung der Phoneme im Ensemma Pladd, ein Verzeichnis der benutzten Literatur sowie das Impressum.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei all jenen bedanken, die mich in all den Jahren mit Sprüchen "eingedeckt", die mich zu dieser Arbeit ermutigt haben und die mir mit Rat und Tat in irgendeiner Form zur Seite standen. Hier muss ich vor allem meine Eltern Maria und Gregor Glass nennen, denen ich sicherlich die meisten Redewendungen verdanke - allein schon durch ihre mundartlich geprägte Erziehung. Außerdem bin ich Willi Spick zu Dank verpflichtet, der wie mein Vater leider schon verstorben ist und dieses Buch nicht mehr erleben kann.
Mein weiterer Dank gilt Petra Sieste aus Neu-Ulm, die ich via Internet kennen- und schätzengelernt habe, die dank meiner ENSHEIM-Homepage ein großer Ensheim-Fan geworden ist und die sich spontan bereit erklärte, dieses Buch zu illustrieren.
Meiner Frau Ingrid danke ich für das große Verständnis, das sie mir angesichts des Riesenzeitaufwandes entgegenbrachte, der für die Abfassung dieses Buches und seine Umsetzung in die vorliegende umfangreiche Website notwendig war.
Ich wünsche allen Mundartfans aus Ensheim und anderswo viel Spaß!
Herzlichst
Paul Glass
© Paul Glass 2000-2001